Nach 63 Ehejahren ist der Verlust der Partnerin nicht in Worte zu fassen. Doch hier habe ich Raum für meine stille Trauer und muss trotzdem nicht einsam sein.

Lebensgeschichte Bewohner SCHÖNES LEBEN

Als Gerhard Wagner im Dezember 2024 gemeinsam mit seiner Frau Gerda in ein Appartement von SCHÖNES LEBEN Wolfsburg zog, begann für beide ein neuer Lebensabschnitt, der von Hoffnung, aber auch von Abschied geprägt sein sollte. Nur wenige Monate nach dem Einzug verstarb seine Frau. Seitdem ist die Trauer ein ständiger Begleiter, leise, aber allgegenwärtig. Und doch findet Herr Wagner Wege, sich Schritt für Schritt wieder dem Leben zuzuwenden, in seinem eigenen Tempo.

Geboren wurde er 1937 in Succase, im damaligen Westpreußen. Seine Kindheit war früh von den Wirren des Krieges gezeichnet. Vertrieben durch die russische Besatzung und ungewiss, wo der Vater war, zog es ihn und seine Mutter über Lübeck bis in die Nähe von Wuppertal. Nach Kriegsende konnte die Familie in Heinsen bei Hildesheim wieder vereint werden. Ein Moment, der sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt hat.

In Heinsen beendete Gerhard Wagner seine Schulzeit und begann eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei einer kleinen Genossenschaftsbank. Dort begegnete er auch Gerda.
»Wir waren zwei Auszubildende im Betrieb und sie war für uns zuständig. Mit der Zeit sind wir uns immer nähergekommen, wie das Schicksal es wollte. Irgendwann war klar: Sie gehört zu mir«, erzählt er mit einem warmen Lächeln. »Ich habe sie später oft scherzhaft gefragt, was wohl in meinem Ausbildungsbericht stand. Sie meinte nur, das müsse ich gar nicht wissen.« 

Nach der Ausbildung folgte der Wehrdienst. Eine Zeit der Distanz, die ihre Beziehung jedoch nur noch stärker machte. »Sie schrieb mir unglaublich viele Briefe, manchmal täglich. Ich konnte nicht immer antworten, aber ich wusste, dass wir zusammengehören.«

Nach seiner Rückkehr begann er seine Karriere bei der Dresdner Bank in Hildesheim, eine Anstellung, die ihm Gerda vermittelt hatte. Bald darauf heirateten sie. »Meine Schwiegermutter hat mir erst einen Tag vor der Hochzeit das Du angeboten«, erinnert er sich schmunzelnd. »Sie war streng, aber eine gute Frau.« Das junge Paar baute sich ein gemeinsames Leben auf. Ihr Sohn wurde geboren, Gerda widmete sich seiner Erziehung, während Gerhard Wagner beruflich neue Wege ging, die die Familie nach Bielefeld führte. Hier engagierte er sich außerdem im Schützenverein und pflegte das gesellschaftliche Leben der Region. »Damals hatten unsere Frauen eine ganz andere Rolle und galten als schmückendes Beiwerk«, sagt er nachdenklich. »Meine Frau musste ihren kompletten Kleiderschrank neu bestücken und sogar Buch darüberführen, welches Kleid sie wann getragen hat.«

»Ich habe sie später oft scherzhaft gefragt, was wohl in meinem Ausbildungsbericht stand. Sie meinte nur, das müsse ich gar nicht wissen.«
Zitat von Gerhard Wagner


Gerhard Wagner Lebensgeschichte SCHÖNES LEBEN Wolfsburg
 

Nach einem erfüllten Berufsleben genossen Gerhard und Gerda Wagner ihren Ruhestand. Sie reisten viel, sammelten Erinnerungen, die bis heute nachklingen. »Unsere Rundreise durch Russland, Rom oder die Schlösser an der Loire, das waren besondere Zeiten«, sagt er.

Doch mit den Jahren wurde der Alltag beschwerlicher. Gerda konnte immer schlechter gehen und ihr Mann übernahm mehr und mehr Verantwortung. Schließlich konnten die beiden nicht mehr zusammen das Haus verlassen, weil sie die Treppe bis zur Wohnung in der ersten Etage nicht mehr hinaufgehen konnte.

»Ich hatte dann plötzlich Probleme mit dem Magen und musste ins Krankenhaus. Meine Frau kam in die Kurzzeitpflege. Unser Sohn wohnte ja nicht bei uns, sondern mittlerweile in Wolfsburg und es konnte sich niemand anderes um sie kümmern. Es hat ihr dort überhaupt nicht gefallen. Nachdem wir beide wieder zu Hause waren, entschied unser Sohn, dass er uns zu sich in die Nähe holen möchte. Wir waren anfangs etwas überrumpelt, aber es war die richtige und vernünftigste Entscheidung.«

Der Sohn vereinbarte einen Termin bei SCHÖNES LEBEN Wolfsburg und organisierte schnell eine schöne, barrierefreie 2-Zimmer-Wohnung für seine Eltern. Sie bietet unter anderem eine Terrasse mit Blick auf den grünen Innenhof, ein zentraler Ort des Hauses für kleine Spaziergänge, Austausch mit den Nachbarn, aber auch Mittelpunkt der regelmäßig angebotenen Veranstaltungen und Konzerte. »Morgens scheint die Sonne auf die Terrasse und am Nachmittag ist es schön schattig. Das ist sehr angenehm. Unsere Wohnung in Bielefeld war etwas größer als diese. Wir mussten uns von einigen Einrichtungsgegenständen trennen, aber der Platz in der Wohnung ist ausreichend. Wir haben ein Schlaf-, ein Wohnzimmer, eine schöne Küchenzeile, einen Abstellraum und ein geräumiges Badezimmer. Mehr braucht man nicht.«

Doch das Glück währte nicht lange. Der Gesundheitszustand seiner Frau verschlechterte sich rasch. Sie aß nur noch wenig und später gar nichts mehr. In der Zeit nahm auch Gerhard Wagner weniger zu sich. »Für sich allein kocht man dann oft nicht. Wir haben uns dann das Mittagessen aus dem Claras Restaurant in die Wohnung liefern lassen.« Der Ambulante Dienst des Hauses kümmerte sich liebevoll um sie, bis sie, rund ein halbes Jahr nach dem Einzug, im Alter von 92 Jahren verstarb. Nach 63 gemeinsamen Ehejahren ein Verlust, der kaum in Worte zu fassen ist.

 

»
Ich bin noch mitten in der Trauer. Und ich möchte vieles im Moment einfach für mich verarbeiten.
«

Gleichzeitig spürt er, wie wichtig es ist, nicht vollkommen allein zu bleiben. Er nimmt regelmäßig an den Veranstaltungen des Hauses teil. Besonders die Fachvorträge, u. a. der Chefärzte des Klinikums Wolfsburg, gefallen ihm sehr. Außerdem hat er das optionale Genuss-Paket mit den täglich wechselnden 2-Gänge-Menüs und den drei wählbaren Hauptgerichten gebucht. Er genießt täglich das frische Mittagessen im Claras Restaurant und die netten Gespräche. »Ich nehme immer die Nummer 1, das Fisch- oder Fleischgericht, und ein Bier. Die Service-Mitarbeiterinnen wissen das schon. Nur heute werde ich mal den griechischen Bauernsalat nehmen.«

Die wöchentlichen Besuche der Familie helfen ihm bei der Verarbeitung seiner Trauer. »Am Wochenende feiert meine Enkelin Konfirmation und ich freue mich, dass ich dabei sein kann.«

Das Leben hat sich verändert, tiefgreifend und unwiderruflich. Doch inmitten von Erinnerungen, Verlust und leiser Zuversicht hat Gerhard Wagner einen Ort gefunden, der ihm beides erlaubt: Rückzug und Gemeinschaft.

Und so bleibt seine Haltung klar und ehrlich: Er möchte für sich sein, aber nie allein und einsam.

Lesen Sie auch

Herr Bitzer Werinprobe

Ich kann reisen – von Residenz zu Residenz. Auch mit Inkontinenz. Dieses Jahr will ich statt zwei sogar vier Wochen in Griechenland bleiben.

SCHÖNES LEBEN Gotha Angehörigenstory Gabi Zeitsch

Ich wollte, dass meine Eltern sich sicher fühlen und gut aufgehoben sind.

Lebensgeschichte SCHÖNES LEBEN Wolfsburg Evelin Agrimi

Ich wollte nicht mehr allein in meiner alten Wohnung leben. Hier ist mein neues Zuhause und ich fühle mich sehr wohl.

Kontakt

Ihre Anfrage

Es sind fehler aufgetreten, bitte überprüfen Sie die rot markierten Felder.
* Pflichtfeld
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage

Ihre Anfrage Exklusives Service-Wohnen

Es sind fehler aufgetreten, bitte überprüfen Sie die rot markierten Felder.
* Pflichtfeld
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage